jenschristianheuer

Ursprünge liberalen und konservativen Denkens in der Kindheit

In Politik, Psychologie on 30/10/2009 at 16:52

Warum wünschen sich gar nicht so wenige Menschen einen (beinahe allmächtigen) „starken“ Staat, der sagt wo es langgehen soll und auch vor der Einmischung in private Angelegenheiten kaum Halt macht. Und warum lehnen andere Menschen genau das ausdrücklich ab und legen Wert auf die Bewahrung, wenn nicht Erweiterung der persönlichen Freiheit? Warum sind manche Menschen offen gegenüber neuen Ideen und Veränderungen, und warum halten andere starr am Althergebrachten fest? Der amerikanische Wissenschaftshistoriker Dr. Frank Sulloway untersuchte in einer über 20 Jahre währenden Forschungsarbeit tausende Biographien von Politikern, Wissenschaftlern und anderen herausragenden Personen des öffentlichen Lebens der letzten rund 500 Jahre. Dabei fand er einen deutlichen Zusammenhang zwischen Geburtsrang in der Geschwisterreihe und Persönlichkeit. Während Erstgeborene überwiegend konservativ denken, neuen Ideen tendenziell ablehnend gegenüber stehen und eher machtorientiert, gleichzeitig aber auch obrigkeitsgläubig sind, neigen die Spätergeborenen zu liberalem, offenen, oft sogar revolutionärem Denken.

Dr. Frank Sulloway auf den Spuren Darwins (mit Galapagos-Riesenschildkröte) Quelle: http://www.sulloway.org/

Zur Erklärung dieser großen Unterschiede, die auch und gerade innerhalb derselben Familie vorkommen, zwischen Geschwistern, deren Erbanlagen immerhin zur Hälfte übereinstimmen und die (zumindest auf den ersten Blick) unter in etwa gleichen Umständen aufwachsen, zieht Sulloway das Divergenzprinzip aus der Evolutionstheorie von Charles Darwin heran:

Genauso wie Lebewesen im Kampf ums Überleben um die knappen Ressourcen ihrer Umwelt konkurrieren und sich nur diejenigen mit den dafür geeigneten Erbanlagen erfolgreich fortpflanzen und damit längerfristig überleben (Selektionsprinzip), ringen auch Geschwister untereinander um die knappe Ressource Zuwendung und Fürsorge durch die Eltern. Um die direkte Konkurrenz untereinander zu verringern, suchen sich Lebewesen verschiedene ökologische Nischen, d.h. sie entwickeln unterschiedliche Lebensweisen und nutzen damit auch teilweise unterschiedliche Ressourcen.

charles-darwin-1

Charles Darwin (1809-1882) Quelle: http://www.mpg.de/

Eines der schönsten Beispiele für dieses Divergenzprinzip (Divergenz = Auseinanderentwicklung, von lat. di = auseinander-, vergere = neigen) fand bereits Darwin auf den südamerikanischen Galapagosinseln und regte ihn zur Entwicklung seiner Evolutionstheorie an:

Auf den Galapagosinseln, 1000 km vor der Küste von Ecuador leben 14 jeweils nur auf einer Insel vorkommende, sehr eng verwandte Singvogelarten, die Darwinfinken, die alle von einer gemeinsamen Ursprungsart vom Festland abstammen. Sie unterscheiden sich lediglich in ihren Schnabelformen, die sie zu unterschiedlichen Ernährungsweisen befähigen. Eine wenig spezialisierte Art fächert sich bei Besiedlung eines neuen Lebensraumes, welcher verschiedenartige Ernährungsmöglichkeiten bietet, in neue wesentlich stärker spezialisierte Arten auf, die jeweils ihre ökologischen Nischen besetzen (adaptive Radiation, lat. adaptare – anpassen; radiatus – strahlend). Wichtig für das Entstehen neuer Arten eine gewisse räumliche Trennung, damit es nicht immer wieder zu einer genetischen Durchmischung kommt.

Adaptive Radiation bei den Darwinfinken, die sich vor allem in der Konstruktion ihrer Schnäbel unterscheiden. Das Spektrum reicht von den langen, spitzen Schnäbeln der Insektenfresser bis zu kernbeißerähnlichen Schnäbeln, mit denen sich harte Körner und Nüsse knacken lassen. Eine besondere Gruppe der Darwinfinken sind die Spechtfinken, die als Werkzeug bei der Nahrungssuche abgebrochene Ästchen oder Kaktusstacheln verwenden, mit denen sie Larven aus Löchern in Baumstämmen holen. Quelle: http://www.britannica.com/

Dasselbe Divergenzprinzip wirkt auch bei Geschwistern und ihrem Kampf um die Aufmerksamkeit der Eltern. Dabei bedienen sich Erst- und Spätergeborene unterschiedlicher (divergenter) Strategien, suchen sich also jeweils ihre eigene familiäre Nische: Erstgeborene zeigen eine starke Neigung, sich mit den Eltern zu identifizieren und ihnen nachzueifern. Dies wird noch verstärkt, wenn sie ihren Eltern einige (Erziehungs-)aufgaben gegenüber den jüngeren Geschwistern abnehmen. Dabei lernen die Erstgeborenen zwar einerseits Verantwortungsbewußtsein, üben aber andererseits, begünstigt durch ihren Altersvorsprung, nur allzu oft gegenüber den Spätergeborenen auch ein bevormundendes Machtgehabe ein, das sie später auch im Umgang mit anderen Menschen nie wieder loswerden. Mit der Geburt  jüngerer Geschwister verlieren die Erstgeborenen den Alleinanspruch auf elterliche Zuwendung und Liebe, was sehr schmerzhaft ist und sie reizbar werden lässt. Sie werden eifersüchtig und neigen leicht auch zu plötzlichen Wut- und Gewaltausbrüchen. Die Spätergeborenen müssen eine andere Strategie wählen, als ihren Eltern einfach nur nachzueifern. Sie entwickeln Talente, die bisher in der Familie noch fehlen, um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihrer Eltern zu gewinnen. Dadurch entwickeln die Spätergeborenen Phantasie und Kreativität, werden offener für neue Ideen und Erfahrungen und wagen es eher einmal ganz neue Wege zu gehen. Wegen ihrer relativen körperlichen Schwäche gegenüber den Erstgeborenen sind Spätergeborene darauf angewiesen sich  mit ihren älteren Geschwistern möglichst irgendwie friedlich zu einigen. Spätergeborene vermeiden daher wenn möglich gewaltsame Auseinandersetzungen und setzen stattdessen eher auf einen versöhnlichen Ausgleich und nicht auf Machtausübung wie die Erstgeborenen. Dabei lernen sie natürlich, sich in andere Personen hineinzuversetzen und entwickeln so grössere soziale Fähigkeiten. Spätergeborene sind dadurch im Durchschnitt umgänglicher und friedlicher als Erstgeborene. Andererseits entwickeln die von Geburt an benachteiligten Spätergeborenen einen hochempfindlichen Sinn für Gerechtigkeit; wodurch sie zu sozialem Denken neigen und sich gegen Ungerechtigkeiten wehren. Sie werden zu Rebellen.

„Der Rebell der Familie“, das bahnbrechende Buch von Dr. Frank J. Sulloway  Quelle: www.amazon.de

Ein typisches Beispiel ist der schon erwähnte Charles Darwin, das fünfte von sechs Geschwistern. Er war im Alter von 22 Jahren Priesteranwärter, als sich ihm die Gelegenheit zur Teilnahme an einer Forschungsreise um die ganze Welt bot. Dabei gewann er, vor allem auf den Galapagosinseln, Erkenntnisse die sein bibeltreues, christliches Weltbild über den Haufen warfen. Unterstützung für seine neue Evolutionstheorie gewann Darwin, der seine Theorie eher zurückhaltend propagierte und auf die Gefühle Andersdenkender immer Rücksicht nahm, zunächst fast ausschliesslich bei Spätergeborenen. Die Erstgeborenen unter den Wissenschaftlern bekämpften die neue Evolutionstheorie hingegen vehement, obwohl ihnen die gleichen der christlichen Schöpfungslehre widersprechenden Befunde vorlagen wie Darwin. Erst später, als sich die darwinsche Evolutionstheorie zunehmend durchgesetzt hatte, schwenkten auch immer mehr Erstgeborene um. Dieses Muster wiederholte sich übrigens ähnlich auch bei allen anderen revolutionären Umwälzungen in der Wissenschaft. Auch bei politischen Revolutionen spielen die aufgeschlossenen Spätergeborenen stets eine Vorreiterrolle. Geleitet von ihrem Gerechtigkeitssinn, treten sie als Reformer oder Revolutionäre für die Armen und Unterdrückten ein. Kommt ein politischer Wandel in Gange, mischen zunehmend auch Erstgeborene mit und greifen bald nach der Macht. Dann dauert es leider oft nicht mehr lange bis sich die Gefängnisse wieder mit politischen Gefangenen füllen oder sogar Hinrichtungen stattfinden.

Beispiel Französische Revolution 1789: Vor und in den ersten Jahren nach der Revolution bestimmten liberale Spätergeborene (Gabriel Mirabeau, Pierre Vergniaud, Jacques Pierre Brissot) das Geschehen. Sie gehörten zur Partei der Girondisten, deren Anführer überwiegend aus der Gironde, einer Region im Südwesten Frankreichs stammten. Die Girondisten saßen auf den mittleren Rängen im Parlament. Daneben gab es noch die gemäßigte Partei der Ebene mit einem noch höheren Anteil Spätergeborener unter ihren Mitgliedern, deren Abgeordnete im Parlament ganz unten saßen und die radikalen Montagnards, die Bergpartei, so genannt, weil deren Abgeordnete, hauptsächlich Erstgeborene (!) die obersten Bänke im Parlament besetzten.

Die Deklaration der Menschenrechte nach der französischen Revolution im Jahre 1789 Quelle: Wikipedia

Die gemäßigten Girondisten setzten die allgemeinen Menschenrechte und eine liberale Verfassung mit umfangreichen bürgerlichen Freiheitsrechten durch. Dann aber, als die innere und äussere Bedrohung durch konterrevolutionäre monarchistische Kräfte zunahm, kamen die machtbewußten Erstgeborenen (Maximilien Robespierre, Jean-Paul Marat, Antoine de Saint-Just) der Bergpartei zum Zuge und errichteten bald eine Schreckensherrschaft, in deren Verlauf rund 40.000 vermeintliche oder tatsächliche Gegner der Revolution mit der Guillotine hingerichtet wurden. Georges-Jacques Danton, ein führendes Mitglied der Bergpartei, aber ein Spätergeborener, versuchte vergeblich den Terror einzudämmen. Er wurde schließlich von Maximilien Robespierre entmachtet und hingerichtet. Maximiliens jüngerer (!) Bruder Augustin kritisierte ebenfalls die ausufernde Terrorherrschaft, wurde aber verschont.

Auch im 20. Jahrhundert gelangten von Mussolini, dem Faschistenführer in Italien, über Stalin in der Sowjetunion, der den spätergeborenen Initiator der Oktoberrevolution 1917 Lenin ablöste bis hin zum chinesischen Kommunistenführer Mao, immer wieder Erstgeborene an die Spitze revolutionärer Bewegungen. Der nationalsozialistische deutsche Reichskanzler und Führer Adolf Hitler (1889-1945), scheint auf den ersten Blick eine Ausnahme zu sein, denn er war das vierte von sechs Kindern. Allerdings starben die drei älteren Brüder schon im allerfrühesten Kindesalter noch vor Hitlers Geburt! Auch der 5 Jahre jüngere Bruder wurde nur 6 Jahre alt. Nur die allerjüngste Schwester erreichte wie Hitler das Erwachsenenalter. Adolf Hitler wuchs also de facto als ein Erstgeborener auf! Drei weitere Erstgeborene, Winston Churchill (Grossbritannien), Theodore Roosevelt (USA)und Josef Stalin (Sowjetunion), führten die Alliierten Mächte im 2. Weltkrieg (1939-1945) gegen Hitler. Ein interessantes Detail am Rande: Churchill löste im zweiten Kriegsjahr den glücklosen Spätergeborenen (!) Neville Chamberlain als britischer Premierminister ab. Dieser hatte zunächst versucht, durch eine von Churchill kritisierte Verhandlungslösung in der Sudetenkrise den Krieg noch abzuwenden (Münchener Abkommen). Chamberlain kam Hitler weit entgegen und billigte die Abspaltung des überwiegend deutschsprachigen Sudetenlandes von der Tschechoslowakei und den Anschluß an das Deutsche Reich. Im Gegenzug versprach Hitler, die Souveränität der Rest- Tschechoslowakei zu respektieren. Dieses Versprechen wurde von ihm aber schon kurz nach Unterschrift des Münchener Abkommens gebrochen. Auch nach Ausbruch des 2. Weltkrieges war Chamberlain noch bemüht Kriegsgräuel zu vermeiden. Er verbot ausdrücklich britische Luftangriffe auf deutsche Städte. Churchill vertrat dagegen schon lange vor Kriegsausbruch die Auffassung, daß Luftangriffe auf Wohngebiete ein geeignetes Mittel seien, um die gegnerische Zivilbevölkerung zu zermürben. Nachdem er Premierminister geworden war, setzte er diese Vorstellungen gegen Deutschland schon sehr bald in die Tat um und trug damit nicht unerheblich zur Eskalation der Gewalt im Laufe des 2.Welkrieges bei. Die für Europa ungewöhnliche Brutalisierung des Krieges erleichterte Hitler die schon länger geplante Deportation und Ermordung der Juden innerhalb und außerhalb Deutschlands, welche anderen Bedingungen kaum so hätte stattfinden können. Die Unterschiede zwischen Churchill und Chamberlain spiegeln sehr gut die Unterschiede zwischen typischen Erstgeborenen- und Spätergeborenenstrategien wider. Neben den Erfahrungen mit Geschwistern, die eine große Rolle spielen, formen aber natürlich auch andere Einflußfaktoren die Persönlichkeit eines Menschen. Bei Einzelkindern sind diese für die Entwicklung der Persönlichkeit sogar ausschlaggebend. Ansonsten kommt es zu komplizierten Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren untereinander und mit den persönlichkeitsprägenden Erfahrungen mit den Geschwistern. Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Kommt es hier zu größeren Konflikten, so können auch Erstgeborene zu Rebellen werden, da eine Identifikation mit den Eltern dannnicht mehr stattfindet. Es bleibt dann nichts anderes übrig als eine Spätergeborenenstrategie zu wählen. Dasselbe passiert auch, wenn die Eltern sichuntereinander häufig und heftig streiten. Die Kinder geraten dann oft in die Rolle eines Vermittlers. Ein bekanntes Beispiel ist der Preussenkönigs Friedrich II.(der Große): Dieser war als ältester Sohn und Kronprinz, von seinem autoritären und unbeherrschten Vater Friedrich Wilhelm I. schwer drangsaliert und einmal sogar beinahe getötet worden und wurde später zu einem liberalen, aufgeklärten Monarchen, der viele politisch oder religiös Verfolgte in seinem Königreich aufnahm. Er erlaubte eine sehr weitgehende Rede- und Pressefreiheit, die sogar scharfe Kritik an der Person des Königs einschloss. Die Folter war zumindest offiziell verboten.

Weitere Einflußfaktoren sind das (angeborene) Temperament, das Geschlecht, Klassenzugehörigkeit, aber natürlich auch die von den Eltern direkt vermittelten Werte. So sind Erstgeborene liberaler Eltern meist offener für neue Ideen als Erstgeborene konservativer Eltern. Es können sich dabei richtige Familientraditionen entwickeln. Eltern, die als Spätergeborene aufwachsen, bevorzugen meist einen liberalen Erziehungsstil, der Erstgeborene weniger konservativ macht und Spätergeborene dementsprechend noch liberaler. In der Familie von Charles Darwin waren Vater, Großvater und Urgroßvater ebenfalls Spätergeborene, woraus sich eine außergewöhnlich liberale Familientradition entwickelte. Diese ebenete Charles Darwin den Weg zu einem Revolutionär der Wissenschaft.

Zu Extremen neigende Persönlichkeiten stammen häufig aus der Unterschicht. Das gilt für Erst- und Spätergeborene mit ihren ganz verschiedenen Strategien gleichermaßen. Nach der französischen Revolution erwiesen sich Erstgeborene aus der Unterschicht als besonders erbarmungslos. Sie stimmten als Abgeordnete im Parlament nach der versuchten und gescheiterten Flucht Ludwigs XVI fast geschlossen für die Hinrichtung des Königs. Von den spätergeborenen Deputierten gleicher Herkunft jedoch stimmten nur gut 40% dafür! Keine andere Gruppe im Parlament übte größere Nachsicht mit dem abgesetzten König. Interessant ist auch das Zusammenspiel zwischen Geburtsrang und Geschlecht. Als männlich gelten Selbstvertrauen, Machtstreben, Konkurrenzverhalten, Durchsetzungsvermögen und Aggressivität, alles Eigenschaften die auch tendenziell Erstgeborene auszeichnen und als „instrumentell“ bezeichnet werden. Als weiblich gelten hingegen Zuwendung, Kooperationsbereitschaft und Flexibilität. Diese „expressiven“ Eigenschaften sind auch typisch für Spätergeborene. Wächst eine erstgeborene Schwester mit einem spätergeborenen Bruder auf, so entwickelt diese relativ stark instrumentelle Tendenzen und verhält sich damit „männlicher“ als der deutlich expressivere Bruder. Wächst ein erstgeborener Bruder mit einer spätergeborenen Schwester auf, so verhält sich dieser weniger „instrumentell“, als wenn es ein spätergeborener Bruder wäre. Unabhängig vom Geschlecht zeigen die Erstgeborenen aber immer deutlich mehr “instrumentelle“ Eigenschaften als die Spätergeborenen. Die Forschungsergebnisse von Dr. Frank Sulloway über die Einfluss der Erfahrungen mit Geschwistern bei der Herausbildung der Persönlichkeit und die sich daraus ergebenden Konsequenzen haben eine immense Bedeutung für Psychologie, Geschichtswissenschaft und Politik. Es zeichnet sich die nicht nur die Möglichkeit ab, geschichtliche Abläufe besser als bisher zu verstehen, sondern es könnte vielleicht sogar gelingen (wenn auch mit einer gehörigen Portion Unsicherheit!), bei ausreichender Kenntnis der Biographie der handelnden Personen halbwegs sinnvolle Prognosen der zukünftigen politischen Entwicklung zu wagen.

Jens Christian Heuer

 Quellen: 1)Der Rebell der Familie Dr. Frank Sulloway Siedler-Verlag, Berlin 1996 Homepage von Dr. Frank Sulloway http://www.sulloway.org/ 2)Von Guernica bis Vietnam. Die Leiden der Zivilbevölkerung im modernen Krieg. David Irving Heyne-Verlag, München 1982 http://www.fpp.co.uk/books/Guernica/index.html 3) BBC Historic Figures http://www.bbc.co.uk/history/historic_figures/ 4) Wikipedia

Debitismus

In Makroökonomie, Mikroökonomie, Moderne on 09/10/2009 at 23:57

Zwei Professoren an der Universität Bremen,  Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, entwickelten in den 1980er Jahren eine Geld- und Zinstheorie, welche behauptet zum ersten Mal wirklich zu erklären, wie  Wirtschaft funktioniert. Ausgangspunkt der beiden Professoren war die Frage nach den Ursprüngen des Geldes. Nach der bis heute in den Wirtschaftswissenschaften vorherrschenden Auffassung entstand Geld allmählich in der Naturaltauschwirtschaft aus der marktgängigsten Ware, der Ware, die am begehrtesten war, für die man also am ehesten Tauschpartner fand. Das funktionierte dann so: Die eigene Ware, die man eintauschen wollte, wurde zunächst gegen die marktgängigste Ware eingetauscht. Danach war es dann  meist kein Problem mehr, einen weiteren Tauschpartner zu finden, der die eigentlich gewünschte Ware besass und selbst gerne in den Besitz der marktgängigsten Ware kommen wollte. 

Heinsohn und Steiger

Als marktgängigste Waren setzten sich oft die Edelmetalle Gold  und Silber   durch, welche nicht nur sehr begehrt, sondern auch unbegrenzt haltbar, leicht transportabel und gut teilbar waren. Diese Edelmetalle wurden bald zum  allgemeinen Tausch- und  Zahlungsmittel, dem Warengeld. Die Tauschwerte aller Waren wurden durch dieses Geld direkt untereinander vergleichbar und drückten sich in ihren jeweiligen Geldpreisen aus. Dadurch wurde das Tauschen auf den Märkten enorm erleichtert. 

Zinsen wurden nach dann verlangt, wenn Waren oder Geld verliehen wurden. Sie entschädigten den Gläubiger für den vorübergehenden Konsumverzicht oder für den  vorübergehenden Verzicht auf die Vorteile durch die jederzeitige Verfügung über sein Geld (Liquiditätsprämie). 

Heinsohn und Steiger widersprachen und lieferten eine ganz andere Erklärung für die Entstehung von Geld und Zinsen. Geld wurde danach nicht zur Vereinfachung des Warentausches erfunden, sondern entstand aus Schuldkontrakten, die es nur in einer Gesellschaft freier Eigentümer gab, nicht aber in Stammesgesellschaften oder feudalen Systemen.

Wichtig ist es zwischen Besitz und Eigentum zu unterscheiden. Besitz. als handfeste Verfügungsgewalt über Sachen gab und gibt es in allen Gesellschaftsformen. Eigentum ist dagegen ein immaterieller Rechtstitel, der zwar den Besitz einer Sache voraussetzt, aber noch mehr beinhaltet. Der Besitz kann als Sicherheit eingesetzt werden, um sich etwas auszuleihen, also einen Schuldkontrakt abzuschließen. So etwas ist nur in einer freien Eigentümergesellschaft notwendig. Um das zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick auf die drei grundlegenden Gesellschaftsformen werfen.

Die Stammesgesellschaft regelt Produktion, Verteilung und Konsum gemeinschaftlich nach den jeweils überlieferten und bewährten Traditionen. Es besteht die unbedingte Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfe. Die Feudalgesellschaft regelt das alles durch obrigkeitlichen Zwang. Eine priviligierte Schicht (Aristokratie), die selbst nicht arbeitet, zwingt unfreie Untertanen zu Abgaben, verpflichtet sich aber auch, ihre Untertanen in Notzeiten mit eingelagerten Vorräten zu versorgen. Sehr hat ein König (Wahl oder Erbfolge)aus den Reihen der Aristokratie die höchste Entscheidungsgewalt (Monarchie), zuweilen werden diese aber auch durch von der Aristokratie gewählte Gremien ausgeübt (Oligarchie).

Die Eigentümergesellschaft besteht dagegen aus freien Bürgern, die weder an Tradition gebunden sind, noch Befehlen einer Obrigkeit gehorchen müssen. Stattdessen regieren sie sich selbst (Republik, Demokratie).Produktion, Verteilung und Konsum regeln sich wie von selbst (Unsichtbare Hand) mit Hilfe von Geld, Zinsen und daraus resultierenden Märkten.

Der Übergang zu Gesellschaften freier Eigentümer geschah schon in der Antike, beispielsweise in Griechenland, in Rom und in Babylon, oft durch antifeudale Revolutionen. Die herrschende Aristokratie verlor mehr oder weniger ihre Macht und ihre Besitztümer wurden unter den neuen freien Bürgern verteilt. Es brauchten nun keine Zwangsabgaben mehr geleistet zu werden, allerdings gab es auch keine Vorratslager mehr für Notzeiten.

Geriet nun ein freier Bürger in Not, etwa  ein freier Bauer durch eine Missernte, so daß ihm das Saatgetreide für das nächste Jahr fehlte, so konnte er nur einen seiner reicheren Nachbarn um Hilfe bitten. Dieser war zwar häufig bereit zu helfen, musste aber auch seine eigene Zukunft voller Risiken denken, denn ein allgemeines Vorratslager für Notzeiten gab es ja nicht mehr.

Daher schlossen beide im gegenseitigen Einvernehmen häufig einen Vertrag,  der die Hilfeleistung und die notwendige Risikoabsicherung regelte,

Dieser Schuldkontrakt bestand aus zwei Dokumenten: 

Das erste Dokument war in  viele Einzeldokumente unterteilt, die jeweil einen Anspruch auf einen kleinen definierten Anteil vom Eigentum des Gläubigers (des fruchtbaren Landes) standen. Diese  Einzeldokumente konnte  der in Not geratene Schuldner nun benutzen, um damit das ihm wegen der Missernte  fehlende Saatgetreide eintauschen. Voraussetzung war natürlich, daß der Wert des Gläubigereigentums, also des fruchtbaren Landes allgemein bekannt war. Tauschpartner waren dann relativ leicht zu finden. 

Eigentum, Zins und Geld

Die Einzeldokumente wurden auf diese Weise zu Geld, das durch das allgemein als wertvoll anerkannte Eigentum des Gläubigers (fruchtbares Land) abgesichert war und deshalb auch von jedermann als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Alle eintauschbaren Waren wurden dadurch automatisch zu diesem genau definierten Anteil des fruchtbaren Landes in Beziehung gesetzt und damit  auch untereinander wertmässig direkt vergleichbar.  Sie hatten von nun an also einen Preis. Von diesem Augenblick an entstanden  die ersten echten Märkte, wo Waren und Dienstleistungen verkauft und gekauft wurden und die Preise von Angebot und Nachfrage abhingen.

In einem zweiten Dokument wurde die pünktliche Rückzahlung des verliehenen Geldes einschliesslich Zinsen vereinbart. Der in Not geratene  Schuldner musste eine Mehrleistung erbringen, um neben der rückzuzahlenden Geldsumme (Tilgung) auch die Zinsen für seinen Gläubiger aufzubringen.

Der Zins war nach Heinsohn und Steiger eine Entschädigung für den vorübergehenden Verlust der Eigentumsprämie des Gläubigers: Dieser konnte während der Laufzeit des Schuldkontraktes, also solange  das von ihm geschaffene Geld im Umlauf war, sein Eigentum zwar weiterhin als Besitz nutzen, aber weder verkaufen noch als Sicherheit für weitere Schuldkontrakte  einsetzen. Konnte der Schuldner die vereinbarte Rückzahlung nicht leisten, so haftete er dafür mit seinem Eigentum, das er dann an den Gläubiger verlor. Diese Haftung  des Schuldners mit dessen Eigentum (Pfand) war die einzige Sicherheit  für den Gläubiger, der mit dem eingegangenen Schuldkontrakt Geld schuf und damit wiederum sein Eigentum riskierte.

Aus Schulden konnte also Geld entstehen, weil nicht nur ein Schuldner dafür gerade stand, sondern auch ein Gläubiger mit seinem von der Allgemeinheit als wertvoll angesehenen Eigentum. Oft war es aber nicht der Gläubiger selbst, der das Eigentum zur Gelddeckung bereitstellte, sondern eine angesehene dritte Person, die zugleich als neutrale Person die Einhaltung des Schuldkontraktes garantierte. So heisst es zum Beispiel auf einem altbabylonischen Tontäfelchen:

„Zalilum schuldet Nanna 6 Shekel Silber. Als Sicherheit dienen 5 Äcker Land, die im Eigentum des Kaufmanns Agaya sind, der das Land für die Rückzahlung des Silbers verpfändet. Sobald Zalilum das Silber zurückgibt, wird die Verpfändung des Landes des Agaya aufgehoben. Bis Zalilum das Silber zurückgibt darf Agaya den „miksu“ behalten (miksu = Ertrag von Feldern). Zeugen sind Sindata, Mannum-girrishu und Silii-Eshtar, die zum Beweis ihres Zeugnisses ihre Siegel abrollen. Im VII. Monat des Jahres (unleserlich).“

Zalilum ist also der Schuldner, Nanna der Gläubiger. Agaya sichert den Schuldkontrakt und erhält für den vorübergehenden Verlust der Eigentumsprämie seiner 5 Äcker Land einen Zins (miksu). Er übt damit praktisch die Funktion einer Bank aus.

Auch im heutigen Bankensystem gibt es diese Mehrfachabsicherung des umlaufenden Geldes. Es haften mit ihrem Eigentum der Schuldner (Kunden der Geschäftsbanken), die Geschäftsbanken selbst und die Notenbank (Zentralbank). Bei der Schaffung von Geld kommt es nun darauf an, daß die Geldnoten in Umlauf gehalten und nicht etwa eingelöst werden. Das wird dadurch sichergestellt, daß die Notenbank die von ihr in Umlauf gebrachten Banknoten nicht mit ihrem Eigenkapital absichert, sondern mit den Sicherheiten, welche die Geschäftsbanken der Notenbank stellen, um so an Geld zu kommen, das sie ihrerseits an ihre Kunden verleihen können.Die Geschäftsbanken verpfänden Forderungen gegen ihre Schuldner: das sind Unternehmen oder Privatpersonen (z.B.Hauseigentümer). Es werden allerdings nicht direkt diese Schuldkontrakte verpfändet, sondern Werpapiere, doe extra zu diesem Zweck durch Zusammenfassung der Schuldkontrakte geschaffen werden (z.B. Pfandbriefe). So muss die Notenbank im Ernstfall nicht hinter dem verpfändeten Eigentum eines Einzelschuldners hinterherlaufen. Die Geschäftsbanken haften für diese Wertpapiere mit ihrem Eigenkapital, aber eben nicht mit dem Eigentum, das ihre Kunden in den Schuldkontrakten verpfändet haben. Das Notenbankgeld wird deshalb allgemein akzeptiert, weil es von eigentumsstarken Schuldnern, den Geschäftsbanken gesichert ist, die ihrerseits Gläubiger von Schuldnern sind, die für das geliehene Geld gutes Eigentum verpfändet haben.

Die Geld- und Zinstheorie von Heinsohn und Steiger beinhaltet auch eine vollkommen neue Theorie der Wirtschaft. Ausgehend von Heinsohn und Steiger entwickelte der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Dr. Paul C. Martin seine Theorie des Debitismus (debit=Schulden). Darin widerpricht er dem Sayschen Theorem der klassischen Wirtschadtstheorie.

Der französiche Ökonomen Jean-Baptiste Say (1767 – 1832) sah eine allgemeine Tendenz zu einem Gleichgewicht in der Wirtschaft. Angebot und Nachfrage sorgen  normalerweise auf allen Märkten für einen Gleichgewichtspreis bei dem alle Ressourcen optimal eingesetzt werden und deshalb auch letztendlich immer Vollbeschäftigung herrscht.  Say behauptete, daß die Produktion von Waren und Dienstleistungen,die dann auf Märkten angeboten wird, in ihrem Gesamtwert genau der Summe von Einkommen (Löhne, Gewinne) entspricht, die eben diese Produktion als Kosten verursacht. Damit ist automatisch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage gerade so groß wie das gesamtwirtschaftliche Angebot an waren und Dienstleistungen. Das gilt selbst dann, wenn ein Teil des Einkommens gespart wird und daher zunächst als Nachfrage ausfällt. Der Grund: Die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke wird immer durch  Investitionen der  Unternehmen  (Investitionsnachfrage) geschlossen: Wenn viel gespart wird, sinken durch das Überangebot an Geld auf dem Kapitalmarkt die Zinsen für geliehenes Geld. Die Investitionen nehmen dann zu, weil diese sich umso mehr lohnen, je deutlicher der dadurch erzielbare Gewinn (Rendite) über dem Zinssatz liegt. Dieser Zinsmechanismus sorgt nach der klassischen Theorie automatisch dafür, dass immer genug investiert wird, um die Nachfragelücke zu schließen.

Doch in Wirklichkeit, so Martin, erreicht die Wirtschaft niemals ein Gleichgewicht, denn es vergeht Zeit bevor die Kosten, die ja immer zugleich auch Einkommen sind, wieder als Nachfrage in die Unternehmen zurückkommen. Diese Zeit aber kostet  Zinsen, da sich die Unternehmen das Geld zur Deckung der Kosten ausleihen müssen, solange jedenfalls, bis das Geld durch die Nachfrage wieder zurückfliesst. Das Geld um die Zinsen zu bezahlen fehlt jedoch, denn die zusätzliche Nachfrage, die erforderlich wäre, um die Zinsen zu erwirtschaften ist zunächst einfach nicht vorhanden. Es gibt nur eine Möglichkeit das fehlende Geld herbeizuschaffen. Irgendjemand muss sich neu verschulden, um als Nachschuldner die alten Schuldner zu „erlösen“. Klappt das nicht, dann sind alle vorangegangenen Schuldner zum Untergang verurteilt. Die Wirtschaft funktioniert also wie ein Kettenbriefsystem! 

Paul C. Martin

Ein wirtschaftliches Gleichgewicht kann es deshalb niemals geben, ein stabiles Preisniveau ist aber möglich: Jede durch Neuverschuldung ausgelöste Nachfrage  steigert tendenziell zunächst erst einmal die Preise. Es kommt dadurch zu einer mikroskopisch kleinen, auf einzelne Märkte begrenzten Inflation. Diese Mini-Inflation hält jedoch nicht lange an, denn die neuverschuldeten Nachfrager müssen ihre Schulden inklusive Zinsen schliesslich auch bezahlen. Das können sie aber nur, indem sie selber zusätzlich etwas zum Verkauf anbieten, eine Ware, eine Dienstleistung oder einfach nur ihre Arbeitskraft. Dieses Zusatzangebot senkt nun aber die Preise auf den einzelnen Märkten wieder. Eine Mini-Deflation hebt also die vorangegangene Mini-Inflation wieder auf. Das Preisniveau bleibt damit  letztendlich stabil!

Der Schuldendruck erzwingt also ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum, um Tilgung und Zinsen zu bezahlen und ist somit für die ungeheure Dynamik marktwirtschaftlicher Systeme verantwortlich. Darauf hatten auch schon Heinsohn und Steiger hingewiesen und so das Scheitern der realsozialistischen Ostblockstaaten mit ihrer Kommandowirtschaft erklärt.

Problematisch wird es nach Martin aber dann, wenn der Staat die wirtschaftliche Bühne betritt und ebenfalls Schulden macht. Auf den ersten Blick erscheint das zwar eher günstig, da der Staat hilft, das Kettenbriefsystem der ständigen Neuverschuldung aufrecht zu erhalten. Aber der Staat muss im Gegensatz zum Privatschuldner Schulden und anfallende Zinsen nicht unbedingt bezahlen, sondern er kann sie auch einfach stehenlassen und hochbuchen, indem er alte Schulden durch Neuverschuldung bedient.  Bezahlen kann der Staat seine Schulden  nur bei einem ausreichend hohen Wirtschaftswachstum, also über eine Mehrleistung seiner Bürger, die automatisch auch zu Steuermehreinnahmen führt. Alternativ kann der Staat aber auch einfach die Steuern erhöhen. Wollen die Bürger dann trotzdem ihren Lebensstandard halten, so müssen sie mehr leisten. Höhere Steuern hemmen aber auch die Leistungsbereitschaft der Bürger, da von einem Mehrverdienst dann einfach zuwenig übrig bleibt. Höhere Steuern sind also immer sehr unpopulär, so dass der der Staat meistens lieber darauf verzichtet. Die zwangslaüfige Folge: Dem durch Schuldenmachen neugeschaffenem Geld steht kein dementsprechendes Zusatzangebot auf den Märkten gegenüber. Die Preise steigen auf breiter Front, also Inflation!

Während einer Inflation entstehen und wachsen neue Märkte durch die zusätzliche staatliche Nachfrage. Die Unternehmen investieren tüchtig, um dabei zu sein. Wer darauf verzichtet, wird ansonsten zwangsläufig Marktanteile verlieren. Durch die vielen Investitionen wächst die allgemeine Verschuldung. Der Eigenkapitalanteil in den Bilanzen der Unternehmen geht gegenüber dem Fremdkapitalanteil, den Schulden, stetig zurück. Die Unternehmen werden dadurch immer krisenanfälliger. Während einer Inflation steigen die Zinsen immer weiter an und zwingen die Unternehmen zu einem immer größeren Zusatzangebot auf den Märkten. Das erfordert eine immer rationellere Produktion. 

Eine immer weiter wachsende Staatsverschuldung stösst aber dann an ihre Grenzen, wenn die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung der Steuerzahler, aus der allein die Schulden bedient werden können. Dann droht der Staatsbankrott! Die Kosten der Inflation, die Zinsen, übersteigen deren Erträge in Form einer durch Neuverschuldung ausgelösten Mehrleistung. Das passiert, weil ein zunehmender Anteil der Neuverschuldung nur noch für Zinszahlungen verwendet werden muss  und deshalb  keine zusätzliche Nachfrage mehr auslöst.

Der Staat entschliesst sich nun zu sparen und fällt damit mehr und mehr als zusätzlicher Nachschuldner aus. Die Unternehmen bekommen zunehmende Absatzprobleme und müssen die Preise senken, um überhaupt noch Geld (Liquidität) zur Bedienung ihrer Schulden hereinzubekommen. Immer mehr Unternehmen müssen bei den Preissenkungen nachziehen, wollen sie nicht vom Markt verdrängt werden. Ein gegenseitiges Unterbieten beginnt, der Preiskampf läuft auf Hochtouren. Da mit den Preisen aber eben nicht gleichzeitig auch die Schulden zurückgehen wird die Lage der Unternehmen immer prekärer. Viele gehen Pleite und fallen als Nachschuldner aus. Eine deflationäre Abwärtsspirale kommt in Gange und dreht sich immer schneller: Wegen der schlechten Aussichten wird weniger investiert. Die Neuverschuldung sinkt, und das Kettenbriefsystem aus Schuldnern und Nachschuldnern kommt noch mehr ins Stocken. Die Unternehmen sind auch gezwungen Arbeitskräfte zu entlassen. Mit der steigenden Arbeitslosigkeit gehen die Bereitschaft zur Neuverschuldung und damit auch die Nachfrage noch weiter zurück. Die Preise fallen und fallen. Eine Pleitewelle erfasst die gesamte Wirtschaft. Immer mehr Schuldkontrakte können dann nicht mehr erfüllt werden, so dass die Gläubiger in das Eigentum der Schuldner vollstrecken müssen. Die Verwertung der Sicherheiten durch Zwangsversteigerung drückt die Preise der betreffenden  Vermögen. Damit fallen aber die Beleihungswerte ähnlicher Sicherheiten, wodurch noch mehr Schuldkontrakte platzen. Und so weiter und so fort.

Die aktuelle Weltfinanzkrise begann in den USA. Dort hatte die Notenbank unter Alan Greenspan vor einigen Jahren durch niedrige Leitzinsen die Wirtschaft angekurbelt. Das löste wegen einer erhöhten Nachfrage einen Immobilienboom aus. Angelockt durch hohe Wertsteigerungen von Häusern und Grundstücken wurden viele Hypothekenkredite auch von Leuten mit sehr geringem Einkommen aufgenommen.  Wegen ihrer geringen Bonität mussten sie den Hypothekenbanken dafür einen relativ hohen, variablen Zinssatz bezahlen. Als Sicherheit dienten die gekauften Immobilien selbst. Diese zweitklassigen (subprime)Schuldkontrakte der Hypothekenbanken wurden durch von ihnen gegründete Zweckgesellschaften in Wertpapieren zusammengefasst und dann an Hedgefonds (Absicherungsfonds), Investmentbanken gekauft oder andere Anleger verkauft, die alle an den vergleichsweise hohen Zinsen verdienen wollten. Als die Notenbank dann aber wieder den Leitzins erhöhte und das allgemeine Zinsniveau wieder anstieg, konnten sehr viele Schuldkontrakte nicht mehr erfüllt werden und waren damit praktisch wertlos. Aufgrund der nun notwendigen Zwangsversteigerungen stürzten auch die Immobilienpreise ab. Dadurch platzten weitere Schuldkontrakte, da diese ja durch die ursprünglich hochpreisigen Immobilien abgesichert waren. Diese immer weiter laufende Abwärtsspirale entwertete natürlich auch die aus den Schuldkontrakten abgeleiteten Wertpapiere. Die betroffenen Fonds und Banken gerieten daraufhin in große finanzielle Schwierigkeiten. Das löste wiederum allgemeines Mißtrauen aus; der Banken untereinander, aber auch zwischen Banken und Anlegern. Die Banken verliehen seitdem sich und anderen immer weniger Geld. Damit aber unterblieb zunehmend die für die Wirtschaft lebenswichtige Neuverschuldung, und das Unheil nahm seinen Lauf.

Die Debitismus ähnelt in gewisser Weise der Allgemeinen Theorie von John Maynard Keynes. Beide Wirtschaftstheorien kritisieren das Saysche Theorem. Während nach Keynes ein wirtschaftliches Gleichgewicht zwar erreicht wird, aber eben leider in den meisten Fällen nicht bei Auslastung aller Produktionsfaktoren, verneint der Debitismus grundsätzlich schon die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Gleichgewichts überhaupt.Die Keynsche Theorie und der Debitismus weisen auch bei der Erklärung von Wirtschaftskrisen einige Gemeinsamkeiten auf, allerdings auch gewichtige Unterschiede. So sieht der Debitismus von Paul C.Martin den Staat nicht wie Keynes als Instrument der bewussten, fortschrittsorientierten Planung einer freien Gesellschaft an und als Garanten einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung, sondern als eigentlichen Verursacher der  Wirtschaftskrisen, welcher die krisenhafte Entwicklung durch sein Schuldenmachen überhaupt erst anstösst.

Jens Christian Heuer

Quellen: 1) Gunnar Heinsohn und Otto Steiger: Eigentum, Zins und Geld von , Metropolis-Verlag 2) Paul C. Martin: Der Kapitalismus. Ein System das funktioniert. 3) Umbruch in ökonomischer Theorie und Wirklichkeit http://www.dasgelbeforum.net/links/umbruch080721.pdf 

Die Allgemeine Theorie des John Maynard Keynes

In Makroökonomie, Moderne on 04/10/2009 at 14:45

Der britischen Ökonom John Maynard Keynes (1883-1946) entwickelte vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts seine Allgemeine Theorie, bis heute ein Meilenstein der Wirtschaftsgeschichte. John Maynard Keynes wurde 1883 als Sohn eines bekannten britischen Wirtschaftswissenschaftlers in der englischen Universitätsstadt Cambridge geboren. Er besuchte die renommierte Privatschule in Eton, im Süden Englands, westlich von London und das King´s College in Cambridge. Dort studierte Keynes Mathematik, Geschichte und Philosophie. Nach seinem Examen, das er als Zweitbester seines Jahrgangs bestand, arbeitete er von 1906-1909 im britischen Schatzamt (Finanzministerium) und danach am King’s College. Hier fand Keynes Anschluss an die Bloomsbury- Gruppe, in der jüngere Politiker, Literaten und Künstler regelmässig zusammentrafen. Die Gruppe, deren bekanntestes Mitglied die Schriftstellerin Virginia Woolf war, pflegte einen freien Lebensstil und praktizierte eine für die Zeit aussergewöhnlich tolerante Sexualität. Im Jahre 1911 wurde Keynes Herausgeber des Economic Journal, der wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschrift Grossbritanniens. Während des ersten Weltkriegs beriet Keynes, der übrigens selbst Kriegsdienstverweigerer war, die britische Regierung bei der Kriegsfinanzierung. Nach Kriegsende war er ab 1919 Mitglied der britischen Delegation bei den Friedensgesprächen in Versailles. Dort wandte er sich massiv gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrags (unbezahlbar hohe Reparationsforderungen an Deutschland), die er als babarisch und verhängnisvoll für die Zukunft Deutschlands und seiner Nachbarländer empfand; jedoch vergeblich. Daraufhin verliess Keynes die britische Delegation und schrieb innerhalb kurzer Zeit das weltweit Aufsehen erregende Buch “ The economic consequences of the peace“ (dt. „Die ökonomischen Konsequenzen des Friedensvertrages“). In den folgenden Jahren spekulierte Keynes erfolgreich an der Börse und beteiligte sich auch an der wirtschaftspolitischen Diskussionen in England. So lehnte er beispielsweise die 1925 vom Schatzkanzler (Finanzminister) Winston Churchill durchgesetzte Rückkehr Englands zum Goldstandard ab, da der dabei zustande kommende hohe Wechselkurs des Pfundes (dadurch wurden englische Waren für ausländische Käufer zu teuer) seiner Ansicht nach die internationale Konkurrenzfähigkeit Englands gefährdete. Im Jahre 1925 heirate Keynes die russische Balletttänzerin Lydia Lopokova, die er über die Bloomsbury- Gruppe kennengelernt hatte. Wissenschaftlich befasste er sich mit geldtheoretischen Fragestellungen. 1929 brach die Weltwirtschaftskrise aus. Keynes entfernte sich inzwischen immer mehr von der klassischen Wirtschaftstheorie (klassische Ökonomie), die allein auf die Marktkräfte der Unsictbaren Hand setzte und jegliche staatliche Eingriffe zur Bekämpfung der Krise strikt ablehnte. Das führte ihn schliesslich zu seiner „Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ (General Theory), die 1936 veröffentlicht wurde und mit den traditionellen Vorstellungen der Klassik brach: Die klassische Ökonomie vor Keynes, die auf Adam Smith (1723 – 1790) und David Ricardo (1772 – 1823) zurückgeht, ging davon aus, dass Angebot und Nachfrage auf allen Märkten für einen Gleichgewichtspreis sorgen, bei dem alle Ressourcen optimal eingesetzt werden und somit Vollbeschäftigung herrscht. Die Produktion der auf den Märkten angebotenen Waren und Dienstleistungen ist immer mit Kosten verbunden, die aber zugleich auch Einkommen (Löhne, Gewinne, Zinsen) sind. Diese Einkommen werden ausgegeben, so dass immer eine ausreichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage besteht (Saysches Theorem, Jean-Baptiste Say (1767 – 1832), französischer Ökonom). Das gilt auch dann, wenn ein Teil des Einkommens gespart wird und damit als Nachfrage zunächst ausfällt. Eine solche gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke wird immer durch Investitionen der Unternehmen zur Erweiterung des Angebots (Investitionsnachfrage) geschlossen. Das liegt am sogenannten Zinsmechanismus: Wenn beispielsweise zuviel gespart wird, sinken durch das Überangebot an Geld auf dem Kapitalmarkt die Zinsen für geliehenes Geld. Das ermuntert zu Investitionen, die sich ja umso mehr lohnen, je deutlicher die dabei erzielte Rendite über dem Zinssatz liegt. Diese Zinsabhängigkeit der Investitionen stellt sicher, daß immer genug investiert wird, um eine Nachfragelücke zu schliessen. Genau an diesem Punkt widerspricht Keynes und weist auf die folgende jederzeit nachvollziehbare Tatsache hin: Die Investitionsbereitschaft eines Unternehmens hängt zwar auch von den Zinssätzen ab, aber eben nicht nur. Entscheidend sind vielmehr die mehr oder weniger unsicheren Zukunftserwartungen. Nur wenn das Unternehmen damit rechnen kann, seinen Absatz zu steigern, also mehr von seinen angebotenen Waren oder Dienstleistungen zu verkaufen, lohnt es sich zu investieren, um das eigene Angebot auf dem Markt zu erhöhen. Erscheinen die Zukunftsaussichten eher düster, so wird selbst bei einem Zinssatz von Null (Geld zum Nulltarif!) nicht investiert. Die Wirtschaft steckt in einer Liquiditätsfalle! John Maynard Keynes (1883-1946) Quelle: http://einestages.spiegel.de/ Der Zinssatz selbst ist nicht nur vom Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt abhängig, sondern ganz entscheidend auch von den Zukunftserwartungen der Sparer. Denn nach Keynes ist der Zins eine Entschädigung für den Sparer, wenn dieser sich vorübergehend von seinem Geld trennt, um es zu verleihen (Liquiditätsprämie). Der Sparer verzichtet dann für eine gewisse Zeit auf die Vorteile durch die Kassenhaltung seines Geldes: 1) Er kann sich damit, wann immer er will, wichtige und schöne Dinge kaufen (Transaktionskasse). 2) Es gibt ihm (relative) Sicherheit für eine unsichere Zukunft (Vorsichtskasse). 3) Er kann es vorhalten, um es bei einer sich bietenden günstigen Gelegenheit an der Börse einzusetzen (Spekulationskasse). Der letzte Punkt ist besonders interessant, denn er kann sich schwerwiegend auf das Wirtschaftsgeschehen auswirken: Bei einem Wirtschaftsabschwung senkt die Zentralbank den Leitzins, um den Geschäftsbanken die Vergabe günstigerer Kredite zu ermöglichen, wodurch Investitionen rentabler werden und auch mehr konsumiert wird. Ein Teil des nun zusätzlich im Umlauf befindlichen Geldes wird in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Die Nachfrage auf demWertpapiermarkt nimmt zu und die Kurse steigen dementsprechend. Dadurch passen sich wiederum die Realverzinsungen der Wertpapiere dem von der Zentralbank vorgegebenen sehr niedrigem Zinssatz an. Die Anleger rechnen nun bei derartig niedrigen Zinsen aber häufig wieder mit ansteigenden Zinssätzen und halten Geld vor (Kassenhaltung), um zu kaufen, wenn die Kurse der Wertpapiere durch den erwarteten Zinsanstieg wieder gefallen sind. Denken sehr viele Sparer so, dann setzt sich der gesenkte Leitzins der Zentralbank nicht in vollem Umfang am Markt durch, weil das zusätzliche Geld eben nicht zum Kauf von festverzinslichen Wertpapieren genutzt, sondern in den Spekulationskassen geparkt wird, um auf eine Zinswende zu warten. Die Kreditzinsen gehen also trotz der Leitzinssenkung der Zentralbank nicht im gewünschten Ausmass zurück und damit entfällt auch der erhoffte Anreiz für zusätzliche Investitionen, so dass der Versuch der Zentralbank die Wirtschaft anzukurbeln misslingt. Die Wirtschaft steckt in einer Liquiditättsfalle! Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hängt in erster Linie von den Zukunftserwartungen ab und dann natürlich von den Zinsen. Beide Einflussfaktoren beinhalten grosse Unsicherheiten, und es gibt keinen Automatismus, der für eine hinreichend grosse Investitionstätigkeit sorgt, um die infolge des Sparens entstandene gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke zu schliessen. Wird aber zuwenig investiert, so bleiben die Unternehmen auf einem Teil ihrer produzierten Waren und Dienstleistungen sitzen. Die Produktion wird daraufhin heruntergefahren, es gibt weniger Arbeitsplätze, weniger Einkommen und weniger Ersparnisse. Die Zuversicht der Unternehmen schwindet infolge der sinkenden Kaufkraft breiter Schichten der Bevölkerung. Und es wird noch weniger investiert, weitere Arbeitsplätze gehen verloren, die Kaufkraft geht fortgesetzt zurück. So geht es immer weiter bergab (Multiplikatoreffekt). Durch die sinkenden Einkommen wird weniger gespart, bis sich die Summe der gesparten Gelder im Nachhinein der zu geringen Investitionssumme angeglichen hat. Es herrscht nun zwar wieder ein Gleichgewicht zwischen Sparen und Investieren, aber bei (hoher) unfreiwilliger Arbeitslosigkeit! Nach klassischer Ansicht kann aber Arbeitslosigkeit nur entstehen, wenn zu hohe Löhne verlangt werden, sie ist also immer freiwillig! Dass Unternehmen solange neue Arbeitskräfte einstellen, wie diese den Gewinn mehren und entlassen, wenn sie zu teuer sind, bestritt auch Keynes nicht, wies aber darauf hin, daß allgemein sinkende Löhne auch einen Rückgang der Kaufkraft bedeuten. Die Folge ist eine sinkende gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auch schlechtere Zukunftsaussichten für die Unternehmen. Lohnsenkungen können durchaus einzelnen Unternehmen weiterhelfen, in großem Umfang führen sie jedoch schnurstracks in die Wirtschaftskrise. Es handelt es sich um eine typische Rationalitätenfalle, denn die wirtschaftliche Vernunft des einzelnen Unternehmens widerspricht hier eindeutig der gesamtwirtschaftlichen Vernunft! Keynes schlug deshalb vor, durch staatliches Handeln private Investitionen zu begünstigen (Steuersenkungen, verbesserte Abschreibungen bei Investitionen, Zuschüsse) und staatliche Investitionsprogramme zur Verbesserung der Infrastruktur aufzulegen. Die damit zusätzlich geschaffenen Einkommen erhöhen dann die Nachfrage, soweit sie nicht gespart werden. Erhöhte Nachfrage ermuntert zu Investitionen, um die Produktion auszuweiten, wodurch neue Einkommen entstehen, die wiederum nachfragewirksam werden usw. Durch einen solchen Multiplikatoreffekt wird die gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke letztendlich geschlossen! Sinnvoll sind auch Unterstützungsmassnahmen für Arme. Da diese bei ihrem geringen Einkommen nur eine geringe Sparquote erreichen, geht bei ihnen zusätzliches Geld (fast) ausschliesslich in den Konsum, wodurch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt. Bei den Reichen, deren Konsumwünsche weitestgehend schon erfüllt sind, wird zusätzliches Geld aus Steuererleichterungen überwiegend gespart und deshalb zunächst nicht nachfragewirksam. Staatliche Einkommensumverteilung zugunsten der Ärmeren dient also nicht nur der sozialen Gerechtigkeit, sondern hat auch wirtschaftspolitisch Einiges für sich! Diese „Keynes’sche Revolution der Wirtschaftswissenschaften“ stiess weltweit auf grossen Widerhall. Es gab begeisterte Zustimmung, aber auch schroffe Ablehnung. Kurz nach der Veröffentlichung der Allgemeinen Theorie (1937) erlitt Keynes einen Herzinfarkt, von dem er sich nie wieder ganz erholte. Inzwischen ging es mit der Weltwirtschaft langsam wieder bergauf. Dazu hatten auch staatliche Infrastrukturinvestitionen beigetragen, wie z.B. der New Deal des Präsidenten Franklin Delano Roosevelt in den USA. Als dann der 2. Weltkrieg ausbrach, herrschte durch die hohe Waffenproduktion bald wieder Vollbeschäftigung. Keynes beriet, wie schon im 1.Weltkrieg, die britische Regierung in Fragen der Kriegsfinanzierung. Gegen Ende des Krieges leitete er die britische Delegation bei den Verhandlungen über eine neue Weltwirtschafts- und Weltwährungsordnung in Bretton Woods (USA), konnte sich mit seinen Vorstellungen einer Weltzentralbank und einer Art internationaler Währung nicht gegen die Amerikaner durchsetzen, die für einen goldgestützten US-Dollar als Weltleitwährung eintraten. Im Jahre 1946 erlag John Maynard Keynes zuhause in England einem zweiten Herzinfarkt. Jens Christian Heuer